Ein träger, riesiger Fluss

Die Wolga ist mit ihren 3.530 km der längste Fluss Europas und verbindet als Wasserstraße den Nord-Westen des Kontinents mit dem Kaspischen Meer und mit Zentralasien. Sie entspringt im europäischen Teil Russlands in den Waldaihöhen (ein von glazialen Endmoränen gebildeter Höhenzug etwa 300 km nordwestlich von Moskau ) in 128 m ü. NN und mündet ins Kaspische Meer in einer Höhe von 28 m unter NN. Damit hat sie auf den 3.530 km ihres Verlaufs nur ein Gefälle von 156 m. Das Einzugsgebiet der Wolga umfasst etwa 150.000 größere und kleinere Flüsse in einem Gebiet von 1,36 Mio. km² Fläche.

Stromlieferant einer ganzen Region

Die Wolga ist die wichtigste Binnenwasserstraße Russlands, sie ist von der Stadt Rschew ab auf 3.256 km schiffbar und durch verschiedene Kanäle mit der Ostsee, dem Schwarzem Meer sowie mit Moskau verbunden. Ein Strom im eigentlichen Wortsinn ist die Wolga aber nicht mehr, seitdem nach dem 2. Weltkrieg gigantische Staudämme für überdimensionierte Kraftwerke errichtet und unzählige Hektar fruchtbares Land überflutet wurden. So erscheint die Wolga heute eher wie eine Aneinanderreihung riesiger Seen.

Ihren Lauf bestimmen acht Staustufen mit monumentalen Wasserkraftwerken. Für die Wasserversorgung der russischen Hauptstadt beispielsweise wird die Wolga in Dubna im Gebiet Moskau gestaut. Zudem gibt es riesige Staudämme am Rybinsker Stausee (wegen seiner enormen Größe von 4.580 km² auch Rybinsker Meer genannt), am Nishni-Nowgoroder Stausee, am Wolgograder Stausee und in einigen mehr.

Der Fluss als Lebensader Russlands

Der Zugang zur Wolga ermöglichte den Aufstieg Moskaus und des russischen Reiches. Der mächtige Fluss wurde als Verkehrsader zum Transport von Pelzen und Rohstoffen genutzt, die anliegenden Gebiete wurden erobert, Siedlungen, Kirchen und Klöster entstanden. Unzählige Städte säumen heute den Lauf dieses für Russland so wichtigen Flusses. Angefangen bei JaroslawlNishni Nowgorod, über Kasan (engl. Kazan)Samara, Saratow und Wolgograd bis hin zu Astrachan, wo sich die Wolga schließlich in das etwa 19.000 km2 große und aus 800 Wasserarmen bestehenden Wolgadelta auflöst, um letztendlich in das Kaspische Meer zu fließen.

Mythos Wolga

Deutsche Siedler (die so genannten „Wolgadeutschen“ oder auch „Russlanddeutschen“ ) ließen sich auf Einladung Katharinas II. in der Steppe bei Saratow nieder, um die von den Kalmücken neu eroberten Gebiete zu erschliessen.

Am Unterlauf der Wolga, in der Stadt Simbirsk, die später in Uljanowsk umbenannt wurde, wurde Lenin (Wladmir Iljitsch Uljanow-Lenin) geboren. Nach dem Überfall der Wehrmacht liess Stalin ihre Wolgarepublik auflösen und die Wolgadeutschen nach Kasachstan deportieren. Die Wehrmacht erlebte in Stalingrad – dem heutigen Wolgograd – ihre entscheidende Niederlage, die zur Wende im Zweiten Weltkrieg führte.

Sinnbild Russlands

Der mächtige Strom ist zu einem Mythos in der russischen Kultur geworden . “Mütterchen Wolga“ wurde in zahllosen Liedern besungen und in Gedichten beschrieben. Sie gilt als Sinnbild Russlands, einerseits als Lebensader verherrlicht, andererseits aber wegen ihrer Unberechenbarkeit und Zügellosigkeit (vor der Regulierung und Zähmung durch zahlreiche Stauseen) früher auch gefürchtet.

Reise mit dem Traumschiff auf der Wolga

Auf der Wolga und ihren Nebenflüssen verkehrt eine große Flotte von Passagierschiffen. Eine Schiffsreise auf der Wolga ist eine ideale Gelegenheit, sich nicht nur zu erholen, sondern auch das Herz Russlands von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.

In der Regel werden bei Wolgareisen auch gut organisierte Stadtführungen (täglich mindestens eine) angeboten, die Einblick in die Geschichte, Kultur und Architektur der wichtigsten russischen Städte, am Goldenen Ring und am Unterlauf der Wolga bieten. Die Preise sind bisher noch relativ gemässigt, Buchungen sind über verschiedene internationale Reiseveranstalter oder Reisebüros problemlos möglich.

(Moskau. Aktualisiert am 9.3.2007, dh)

Kategorie: Allgemein, Aktualisiert am 8. Oktober 2009 von Redaktion | Anmelden